Das Ensemble Widymo wurde im Jahr 2000 in der polnisch-ukrainischen Grenzstadt Sanok im San-Tal (Süd-Ost-Karpaten) gegründet.
In dieser Region treffen seit Jahrhunderten Einflüsse aus dem römisch-katholischen Westen und dem byzantinisch-orthodoxen Osten aufeinander. Die südöstlichen Karpaten waren Ort der Begegnung, Konfrontation und Verschmelzung unterschiedlicher Kulturen, ethnischer Gruppen und Religionen: Sinti und Roma, Russen, Polen, Slowaken, Ukrainer und Ungarn, Anhänger des römisch-katholischen, des griechisch-katholischen, orthodoxen, armenischen, jüdischen und protestantischen Glaubens. Ihre Koexistenz beeinflusst die Form des kulturellen Erbes der Region bis heute und hinterließ beeindruckende kulturelle Zeugnisse in Bräuchen und der Musik.
Im 9. Jahrhundert kamen mit der orthodoxen Religion die ?cantus planus?, unisono gesungene Lieder aus Moravien in die südöstlichen Karpaten. Sie entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte zur Polyphonie vier- und mehrstimmiger Gesangsstimmen. Widymo singen heute im charakteristischen Stil der ostslawischen Gebiete des 16. Jahrhunderts, der ungebrochen bis zum Zweiten Weltkrieg überliefert wurde. Der Krieg bedeutete einen Wendepunkt für die verschiedenen Kulturen, ethnischen Gruppen und Religionen, da sie sich auf verfeindeten Seiten der kriegsführenden Länder wiederfanden. Doch letztlich haben die Zerstörung der sozialen und kulturellen Gemeinschaften, Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat und die kommunistische Religionsverfolgung die reiche multikulturelle Identität dieser Region nicht zerstören können.
Das Ensemble Widymo ist ein Beispiel der neuen, multikulturellen Generation polnischer Künstler. Die jungen Sängerinnen präsentieren Lieder aus dem kleinen San-Tal und zeigen einen Querschnitt durch fast tausend Jahre musikalischer Tradition des slawischen ?melting-pots?.

Marianna Jara Gesang, künstlerische Leitung
Susanna Jara-Malecka Gesang
Kinga Anna Szewczyk Gesang
Maria Antonowicz Gesang
Natalia Malecka Gesang
Paulina Ciuryk Gesang
Solomjja Stsibajlo-Jara Gesang
Aleksandra Rozga Gesang

Mit finanzieller Unterstützung der Robert Bosch Stiftung und des Polnischen Kultur Institutes
zurück

In meiner Innung des Schreiner- und Künstlervolks
gibt's trunkene Geheimnisse voll Trug, Verführung.
Die Feder, Der Pinsel vom Zittern erfaßt,
Gedanken durchbohrt von Schmetterlingen im Frühling.

Ein scharfer Meißel, Eine singende Axt,
sie formen das Holz der Musik, den Lehm der Worte.
Diese Welt ist die Leinwand eines trunkenen Lieds,
zu weit für den Schreiner, zu eng für den Künstler.

Bohdan Ihor Antonytsch