NIKIFOR
„Ein naiver Maler im Fokus geopolitischer Ereignisse“

"Brühler Rundschau", 12.05.2006


Die Villa Meixner und das KulturForum Europa zeigen zum ersten Mal die politischen Zusammenhänge um einen Künstler auf, dessen Arbeiten in fast allen Museen für Naive Kunst in Europa ausgestellt sind.

Nikifor Epifanii Drowniak (1895-1968) war der Sohn einer taubstummen, allen stehenden Frau, die ihren Unterhalt in den Kurpensionen Krynicas verdiente. Als Ruthene gehörte er zu einer Minderheit, die aus der Ukraine vertrieben worden war.

Er konnte weder lesen noch schreiben und war wegen seiner Sprachstörungen aus Außenseiter, für den die Malerei zum Lebenselixier wurde, seine einzige Möglichkeit, mit der Welt in Kontakt zu treten.

Der (ukrainische) Maler gilt insbesondere in Polen als zentrale Figur der Nachkriegskunst und hat bis heute dort viele Maler beeinflusst. Die meisten seiner Werke sind Aquarelle; später entstanden auch Gouachen und Zeichnungen mit Wachsmalstiften. Die Bleistiftzeichnungen datieren in seine letzten Jahre.

Seine Bilder sind bis auf wenige Ausnahmen kleinformatig; zum Malen benutzte er aus Mangel an Papier auch Karton, Packpapier, Blankoseiten aus Schulbüchern und sogar Zigarettenschachteln.

Villa Maixner
Villa Meixner

"Naive Kunst im Fokus"

"Badische Anzeigen-Zeitung", 10.05.2006

Brühl. Die Villa Meixner und das KulturForum Europa zeigen zum ersten Mal die politischen Zusammenhänge um einen Künstler auf, dessen Arbeiten in fast allen Museen für Naive Kunst in Europa ausgestellt sind. Und zwar mit der Ausstellung „Nikifor – Ein naiver Maler im Fokus geopolitischer Ereignisse“.

Nikifor Epiffanii Drowniak (1895-1968) war er Sohn einer taubstummen, alleinstehenden Frau, die ihren Unterhalt in den Kurpensionen Krynicas verdiente. Als Ruthene gehörte er zu einer Minderheit, die aus der Ukraine vertrieben worden war. Er konnte weder Lesen noch Schreiben und war wegen seiner Sprachstörungen ein Außenseiter, für den die Malerei zum Lebenselixier wurde, seine einzige Möglichkeit, mit der Welt in Kontakt zu treten.

Der ukrainische Maler gilt insbesondere in Polen als zentrale Figur der Nachkriegskunst und hat bis heute dort viele Maler beeinflusst. Die meisten seiner Werke sind Aquarelle; später entstanden auch Gouachen und Zeichnungen mit Wachsmalstiften. Die Bleistiftzeichnungen datierten in seine letzten Jahre. Seine Bilder sind bis auf wenige Ausnahmen kleinformatig; zum Malen benutze er aus Mangel an Papier auch Karton, Packpapier, Blankoseiten aus Schulbüchern und sogar Zigarettenschachteln.

Zur Ausstellung erscheint ein aufwändiger, großformatiger Bildband mit Werken des Künstler auf 135 Seiten, die erste deutschsprachige Publikation über das Leben und Werke des Naiven, erschienen bei Ukraine e.V., Düren (Rhld.).

"Geschlossene Farbigkeit – harmonisch und voll Wärme"
Naive Malerei: 95 Werke von „Nikifor“ in der Villa Meixner

„Schwetzinger Zeitung“, 8.05.2006

Brühl. „Nikifor“ – schon der Name kling ein wenig „naiv“, und so wundert es nicht, dass sich dahinter einer der bedeutendsten Künstler der naiven Malerei verbirgt, der jedoch seinen Ruhm eher einem bitteren Schicksal als dem Verständnis seines künstlerischen Schaffens verdankt. Zehntausende von kleinformatigen Werken hat „Nikifor“ gemalt, 95 davon sind jetzt in der Villa Meixner ausgestellt, gesammelt von dem Dürener Arzt Michael Markowicz, der wie „Nikifor“ aus dem Dreiländereck zwischen Ukraine, Polen und der Slowakei, dem Lemkenland, stammt.
Bürgermeister Dr. Ralf Göck begrüßte zur Vernissage den Sammler Dr. Markowicz, den Präsidenten des „Kultur-Forums Europa“, Dieter Topp mit seinem Mitarbeiter und den aus der Ukraine stammenden Pianisten Vasyl Humnytskyy. Die Eröffnung der Ausstellung „Nikifor“ bewegte sich in einer interessanten Mischung von Geopolitik, Musik, Komposition, historischen und geographischen Betrachtungen, und Dieter Topp brachte in seiner Einführung interessante Einblicke in das Leben des Menschen und Künstlers „ Nikifor“.
Geboren 1885 in Krynica wurde er im Taufschein unter dem Namen „Netyphor Epiphanij Drowniak“ eingetragen. Eine einsame Jugend, ohne Vater, mit einer taubstummen Mutter und das Leben in der tief verwurzelten Frömmigkeit der griechisch- katholischen Kirche prägten seine Lebenseinstellung. Hinzu kamen Zwangsumsiedlungen und Deportationen unter polnischer Herrschaft in eine Umwelt, deren Sprache und Kultur ihm fremd waren, und so mimt er einen Taubstummen und kommunizierte über die Malerei mit seiner Umwelt, was ihn jedoch nicht davon abhielt, „Bettelbriefe“ zu schreiben. „Sehr geehrte Herrschaften, … ich habe kein Geld für Kleidung,… esse trockenes Brot,… bin verlassen, … meine Gesundheit ist nicht gut, … habe eigene Bilder zu verkaufen“, ist auf dem Blatt einer damals üblichen Schulkladde zu lesen.
Auf den Bildern hat er sich meist selbst dargestellt, als Bischof, als Kirchgänger, in der Küche und unter seinen, von ihm oft gemalten, Heiligen. Seine Heiligenbilder sind sehr einfach, eben naiv, und halten deutlichen Abstand zu der akribischen Technik der Ikonenmaler, sind jedoch im Inhalt der traditionellen Ikonenmalerei der orthodoxen Kirchen verwandt. Auffallend die fast übertriebene Exaktheit der Perspektive, die detaillierte Darstellung der Architektur der Villen und Kirchen seiner Heimat. Das nächste Bild dann wieder mehr plakativ, und oft verlässt er die Falllinien der Senkrechten. Der Realität des vorhandenen Motivs setzt er eigen Phantasien hinzu, und bei der Darstellung eines Waldes drängt sich Geometrie eines Jägerzaunes dem Betrachter auf. Stets ist jedoch die in sich geschlossene Farbigkeit harmonisch und voller Wärme. „Seine große, naive Phantasie hat ihn befähigt, in jeder Arbeit eine außergewöhnliche, rührende Liebe zu allem, was in unserer Welt existiert, zum Ausdruck zu bringen“, zitiert Dieter Topp den Autor der Dokumentation „Nikifor“, Oles Noha.
Ein besonderer Genuss bei der Villa-Soiree, und passend zu „Nikifor“, der musikalische Beitrag von Vasyl Humnytskyy. Eigene Kompositionen setzten Akzente zu den unterschiedlichen Stilrichtungen ukrainischer Musik von Vasyl und Myroslav Skoryk. Höhepunkt war eine Paraphrase von Franz Liszt zu „Rigoletto“. Das virtuose Spiel tanzender Finger über die Tastatur versetzte in stummes Staunen, das sich in spontanem Beifall löste.

Heinz Claßen

"Seine Werke hängen heute in großen Galerien"

„Schwetzinger Zeitung“, 11.05.2006

Brühl. Eine sehenswerte Ausstellung naiver Malerei mit Bildern des bei uns relativ unbekannten Nikifor Epifanii Drowniak (1895–1968) ist zur Zeit in der Villa Meixner zu sehen.
Einen großen Bekanntheitsgrad erlangte er allerdings schon zu seinen Lebzeiten in Polen. Polen dennoch als seine Heimat zu betrachten, wäre höchst ungenau, denn seine Lebensgeschichte und sein künstlerisches Schicksal ist ungewöhnlich und einmalig. Alleine über seinen Namen und dessen Ursprung lässt sich in Biografien seitenlang nachlesen.
Festgelegt haben sich Fachleute erst im Jahre 1970 auf einen allgemeingültigen Namen, Nykyfor Epiphanij Drownjak. „Nikifor“, wie hier in Brühl genannt, war das Kind einer taubstummen Mutter, litt selbst unter schweren Sprachstörungen und konnte weder lesen noch schreiben.
In der Malerei fand er auf Grund dieser Behinderungen eine Ausdrucksmöglichkeit und den Weg zur Kommunikation mit seiner Umwelt. Geboren im ukrainischen Lemkenland, verschlug ihn das Schicksal nach Polen, wo er zu einer zentralen Figur der Nachkriegskunst wurde. Viele Maler hat er beeinflusst, und seine Werke hängen heute in allen großen Galerien mit naiver Malerei.
Die Nikifor umgebenden geopolitischen Ereignisse fanden ihren Niederschlag in den hier zu sehenden Bildern. Aus Mangel an Materialien malte er auf jedem Untergrund, der ihm zur Verfügung stand. Das konnte einfaches Papier, ein Stück Karton oder die weiße Seite eines Buches sein. Gemalt hat er mit Wachsmalstiften oder einem Bleistift. Der jeweils zur Verfügung stehende Untergrund gab meistens die Größe des Bildes vor, und so sind sie in der Mehrzahl kleinformatig.
Wiederholt sind es Gotteshäuser und Bauten, die ihm als Motiv dienten. Schlichte, fast ärmliche dörfliche Siedlungen, großbürgerliche Vorgärten und Villen, aber auch Bahnhöfe. Das ein oder andere Gebäude lässt darauf schließen, dass es öffentliche Einrichtungen beherbergte. Vielleicht stellen sie sogar Behörden dar, die für ihn von entscheidender Bedeutung waren(?).
Auf den Zeichnungen hat er das Abgebildete zwar genannt, aber da er dies in seiner Muttersprache getan hat, bleiben dem Betrachter daher nur Vermutungen darüber. Bei der Zeichnung einiger bauten hatte er seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Sie haben fast schon futuristische architektonische Züge.
Nikifor beschränkte sich aber nicht nur auf die äußere und bis in Details rechende Wiedergabe von etwas Gesehenem, sondern lässt auch am damaligen Leben innerhalb der Häuser teilnehmen. Dazwischen stößt man immer wieder auf geistliche Würdenträger und Heilige der orthodoxen Kirche.
In den Vitrinen dieser Ausstellung finden sich Kunstlexika, in denen die Werke Nikifors Würdigung fanden. Ein großer Bildband zur Ausstellung – er ist käuflich zu erwerben- gibt darüber hinaus genauere Auskünfte über den von der Fachwelt absolut anerkannten Künstler.
Sabine Sipos

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In meiner Innung des Schreiner- und Künstlervolks
gibt's trunkene Geheimnisse voll Trug, Verführung.
Die Feder, Der Pinsel vom Zittern erfaßt,
Gedanken durchbohrt von Schmetterlingen im Frühling.

Ein scharfer Meißel, Eine singende Axt,
sie formen das Holz der Musik, den Lehm der Worte.
Diese Welt ist die Leinwand eines trunkenen Lieds,
zu weit für den Schreiner, zu eng für den Künstler.

Bohdan Ihor Antonytsch